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Ich sitze in einem Cafe. Ein renoviertes
Herrenhaus am See. Ich lass mich einlullen. Ich schwöre,
ich habe nichts gegen die kleinbürgerliche Atmosphäre.
Aber diese gewollte Symbiose zwischen Gestern und Heute,
diese verkrampfte Innenausstattung hält mich in einer
Totmannstellung. Ich bin umgeben von Farben aus rauchblau
und altrosa. Auf dem weißen Kachelofen schlummert eine
weiße Porzellankatze. Stuckarbeiten. Geschwungener Kitsch,
der in rauchblauen Kronleuchtern gipfelt. Ich sitze
allein 'in dem kühlen Zimmer. Ich döse. Nur ab und zu
greife ich nach der 45er unter meinem Blazer.
Draußen sitzt in der heißen Sonne
ein Mann. Er ist stockbesoffen. Wie der Kopf eines Säuglings
schlägt sein Schädel auf den Tisch. Dann reißt er ihn
wieder hoch. Ich sehe, seine Lider sind schwer. Aber
er gießt mir einen Blick in den Ausschnitt.
„Ich komm rein", sagt er zu mir durch
das offene Fenster. Ich schüttet mit dem Kopf. Ich will
ihn nicht an meinem Tisch sitzen haben. Ich will, dass
er draußen sitzen bleibt. Ich will heute keine rührigen
Biergeschichten hören. Er schwankt mit dem Bierglas
durch die Tür. Für einen kurzen Moment kann ich mich
im Glas der Tür spiegeln. Ich sehe eine Frau in gedeckten
Farben. Unauffällig gekleidet.
Er setzt sich unbeholfen an den Tisch.
Mir schlägt eine Bierfahne entgegen. Kummergeruch. Ich
weiß nicht, aus welcher Zeit. Seine ersten unbeholfenen
Sätze lassen mich lächeln.
Taxifahrer sei er und kippt das Bier
über den Tisch. „Willste auch eins?"
„Nein", antworte ich schroff, ich
will, dass er geht. Ich bin schon jetzt gelangweilt.
Ich drehe der 45er unter der Tischplatte den Schalldämpfer
auf. Dabei schaue ich auf den kunstvoll gestalteten
weißen Kachelofen. Wir sind allein. Die Kellnerin, die
mir den Kaffee brachte, hat in der Küche zu tun. Ich
höre, wie sie mit dem Geschirr klappert. „Die meisten
Leute stinken", spricht er mit klebrigem Speichel in
den Mundwinkeln. „Aber du stinkst nicht. Einmal habe
ich einen rausgeschmissen, weil er so gestunken hat.
Glaubst du das?"
„Sicher", sage ich.
„Sie stinken wie Scheiße vor Weihnachten.
Aber du stinkst nicht. Wirklich nicht. Ich fahre einen
Benz. Einer hat sich mal die Leber auf dem Rücksitz
ausgekotzt. Schöner Scheiß war das. Besonders schlimm
ist es bei Vollmond". Ich nicke, überprüfe die Patronenkammern.
Ich stehe auf.
„He, wo willst du hin? Wird doch
jetzt erst richtig nett. Wo man sich doch so kennen
lernt."
Ich antworte ihm nicht. Er klammert
sich an meine Kleidung. Da kann ich nicht anders. Ich
setze die Waffe am Hinterkopf seines Säuglingsschädels
auf und drücke ab.
Beim Hinausgehen sehe ich, dass sein
Babykopf auf der Tischplatte liegt. Schönes Bild.
Draußen in der Sonne steht sein Taxi.
Ich steige ein und fahre nach Hause.
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