|
Nicht nur heute sind die
Lebenshaltungskosten teuer. Diese Sorge kannte
man auch schon vor 90 Jahren. Der Eickler Magistrat
unter Vorsitz von Amtmann Karl Berkermann erwog
1908 eine Teuerungszulage für die Gemeindeangestellten.
In der Eickler Bürgerschaft
wurde diese Angleichung der Gehälter an die
gestiegenen Preise heftig diskutiert. Der Beschlußfassung
lag ein ausgearbeiteter Entwurf zugrunde, der
die Bewilligung einer Teuerungsrate von acht
Prozent vorsah. Als schlagkräftigstes Argument
für die Gehaltserhöhung führte ein Teil der
Gemeindevertreter ins Feld, daß zuvor in der
für Eickel zuständigen Kreisstadt Gelsenkirchen
Teuerungszulagen an die Bediensteten bereits
gewährt wurden. Der andere Teil machte geltend,
daß man der steuerzahlenden Bevölkerung ohne
allzu zwingende Notwendigkeit keine neuen Opfer
auferlegen dürfe. Vor allem die Bergleute der
heimischen Hannover und Hannibal schimpften,
weil man schon jahrelang vergeblich auf eine
Schichtlohnerhöhung warte und die Zuzahlung
zur Knappschaftsversicherung ohne Leistungssteigerung
ständig zunimmt.
Schließlich einigten sich
die Eickler Gemeindeväter darauf, ihren Angestellten
wenigstens fünf Prozent "draufzulegen". Und
das alles ohne Mitwirkung der Gewerkschaft,
die damals bei Tarifauseinandersetzungen kaum
ein Mitspracherecht hatte.
|