Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Pluto-Kokereigas sorgte
für Aufwind

 

Alfred Kalinowski

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 Mit dem Ballon von Wanne bis zum Hermannsdenkmal

Wenn man der Erzählung eines Chronisten glaubt, soll es in Wanne-Eickel bereits Ende der zwanziger Jahre einen "Ballonfahrer-Verein" gegeben haben. Zu den Initiatoren zählten hauptsächlich Zechenbeamte, die dann auch noch von betuchten Knappschaftsärzten finanziell unterstützt wurden. Zum Vereinsabend trafen sich die Luftsportler u.a. im Gasthof Schulte am Glückaufplatz.

Der Ballon-Sportplatz lag allerdings etwas entfernt. Er befand sich auf dem Werksgelände des Verbundbergwerks Pluto Rheinelbe an der westlichen Grenze zu Gelsenkirchen. Hier hatte sich schnell eine zentrale Gas-Tankstelle etabliert.

Die mit Pluto-Kokereigas gefüllten Behälter - im Volksmund Gasometer genannt - hatten gleich mehrere Füllstützen angebracht, die auch einen Massenstart bis zu acht Ballons ermöglichten. Das Fassungsvermögen der grauen Ballonhülle lag zwischen 2000 und 2700 Kubikmetern. Der meist sonntägliche Ausflug endete, mit Westwind-Unterstützung, überwiegend mit Zielrichtung Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald.

Ein Erinnerungs-Photo

Erinnerungs-Photo aus dem Jahre 1931. Bis zu 2000 Meter Höhe konnten die Ballonfahrer mit der Gasfüllung erreichen.

Wehte der Wind aus Süden, war die Luftreise im Müsterland zu Ende. Bei Schönwetter mit östlicher Strömung kam man kaum bis ins Niederländische Venlo. Zehn Kilometer von der Landesgrenze mußte der Ballonfahrer sein Gefährt geladen haben.

Die zentrale Gas-Tankstelle

Die zentrale Gas-Tankstelle stand auf dem   Werksgelände der Zeche Rhein-Elbe.

Doch so einfach war die Ballonfahrerei auch vor 70 Jahren nicht. Dem Wetter ausgeliefert, konnten die Ballonfahrer und seine vierköpfige Besatzung des Luftgefährt nur mit Sandsäcken steuern. Rund eine Tonne Sand, verpackt in 25 Kilogramm-Säcken, wurden mit in dem Korb genommen. Je nachdem, ob sich das Gas in der Hülle durch Sonneneinstahlung erwärmte oder im Schatten einer Wolke abkühlte, gewann oder verlor der Ballon an Höhe.

Wieder gelandet, wurde das Restgas aus dem Ballon gedrückt und die Ballonhülle in den Korb gelegt. Ein pferdebespannter Bauernwagen sorgte für den Transport bis zur nächsten Bahnstation. Von dort aus ging es per Dampfzug zurück nach Wanne-Eickel.

 

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