Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Vor 90 Jahren:
Experten verweigern Chlorbeimischung für Trinkwasser

 

Alfred Kallinowski

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 Typhus-Epidemie versetzte Wanne-Eickeler in Angst und Schrecken

Der Amerikaner G.A. Johnson war es, der vor 90 Jahren die Trinkwasser-Experten an der Ruhr in helle Aufregung versetzte. Zur Desinfektion des Trinkwassers hatte der Chemiker nämlich die Anwendung von Chlorkalk empfohlen, die er bereits an 100 nordamerikanischen Wasserwerken mit Erfolg praktizierte.

Obwohl das Trinkwasser von Ruhr und Lippe - vornehmlich in den Sommermonaten - nicht immer den gesundheitlichen Forderungen entsprach, zeigten die heimischen Fachleute gegenüber dem Chlorkalk eine gewisse Skepsis. Man war einfach aus ästhetischen Gründen dagegen, dem Trinkwasser Chemikalien beizufügen.

Der trockene Sommer im Jahre 1911 brachte es schließlich an den Tag, dass bakterienverseuchtes Ruhrwasser zu einer verbreiteten Typhus-Epidemie beigetragen habe. Nachdem es auch in Eickel zu Infektionen kam, galt der Chlorkalk plötzlich als Rettungsanker für das verseuchte Ruhrwasser.

Pferdefuhrwerke transportierten schleunigst mit Chlorkalk gefüllte Holzfässer zu den Pumpstationen. Zur Eindämmung der Typhuswelle kam es jetzt darauf an, dem Trinkwasser eine bestimmte Menge Desinfektionschlor gleichmäßig beizumischen. Doch anfänglich wollte es nicht so recht klappen. Es begab sich, dass nur nachts bakterienfreies Trinkwasser durch die "Hähne" floss.

Per Hand aus dem Holzfass wurde der Chlorkalk dem Trinkwasser beigemischt.

Tagsüber war das Wasser derart überchlort, dass ein unerträglicher Beigeschmack die Wanne-Eickeler in Schrecken versetzte.

Die Misere hatte man bald herausgefunden. Weil bei der "Fassausschüttung" nur unerfahrene Hilfskräfte am Werte waren, kam es zu diesen Unregelmäßigkeiten.

Einigen Nachtarbeitern wurde nachgewiesen, die regelmäßige Chlorbeimischung buchstäblich verschlafen zu haben. Stattdessen kippten sie die versäumte Ladung morgens vor Schichtwechsel mit Übermenge ins Ruhrwasser. Wenn auch verbessert, dauerte es noch einige Jahre, bis die Chlorkalk-Beimischung auf Mechanik umgestellt wurde.

 

In den zwanziger Jahren war es vorbei mit der "Fassausschüttung". Die Desinfektionszugabe hatte man auf Mechanik umgestellt.

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