Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Karneval um 1900:

Alfred Kalinowski

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 Eickeler Pastor predigt gegen "Gefährliche Lustbarkeit"

Der Karneval mit all seinen Prunksitzungen, Kostümfesten und Gelagen geht in diesen Februartagen in die "Zielgerade". Jubel, Trubel, Heiterkeit haben sich längst breitgemacht. Dieses "Alaaf und Helau" ist aber nicht nur zu unserer Zeit großgeschrieben. Schon zu Großelterns Zeiten haben die Wanne-Eickeler zünftig gefeiert. Um die Jahrhundertwende ging es besonders in Eickel hoch her. In über 40 Kneipen floß das Bier, das überwiegend aus der heimischen Brauerei Hülsmann stammte.

Und, genau wie gelegentlich heutzutage, wandte sich manche Obrigkeit gegen den Ausschweif der Narretei. So auch der Eickeler Pastor Daniels, der im Karneval besonders für Jugendliche "Gefährliche Lustbarkeiten" entdeckte. Dazu hatte er als Superintendent der evangelischen Kreissynode Gelsenkirchen, zu der auch Wanne-Eickel zählte, folgenden Eintrag eingebracht, der ab 1903 Gültigkeit haben sollte:

  1. Die Kreis-Synode erwartet, daß die Konfirmanden jedes Jahr zeitig über das ungeziemende der Faschingsaufzüge eingehend belehrt und die Erwachsenen am 7. Sonntag vor Ostern (Karnevalssonntag) in allen Gottesdiensten zu ernstlicher Bekämpfung des karnevalistischen Treibens ermahnt werden.

  2. Der evangelischen Landeskirche Westfalen richtet das Gesuchen die Herren Schulinspektoren, die Lehrpersonen anzuweisen, daß sie die Schüler jedes Jahr rechtzeitig vor jeglicher Art von Beteiligungen an frevelhaften Karnevalsumzügen eindringlich verwarnen.

  3. An die Wanne-Eickeler Amtmänner Winter und Berkermann ergeht die Bitte, mit allen Mitteln gegen karnevalistische Alkohol-Vergnügen vorzugehen. Diese Einbringung liegt im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der häuslichen Wohlfahrt und der kirchlichen Sitte. Randalierer passen nicht in unsere religiöse Gesellschaft und müssen eindringlich bestraft werden.

Schlußfolgerungen aus dem kirchlichen Distrikt: Die "Kanzelreden" brachten kaum erkennbare Wirkung – Pastor Daniels konnte den Trubel nicht bremsen. Heute, nach 95 Jahren, sieht alles ganz anders aus. Da mischen die geistlichen Herrschaften gelegentlich munter mit bei geselliger Karnevalsstimmung, die sich vor allem in der Evangelischen Frauenhilfe längst breitgemacht hat.

Restaurant "Fürst Bismarck"

Das Restaurant Fürst Bismarck an der Wanner Bahnhofstraße bot den Gästen eine delikate Speisekarte.

Anstelle von "Tingel Tangel" bot das Restaurant Fürst Bismarck an der Wanner Bahnhofstraße den Gästen eine delikate Speisekarte. Rosenmontag vor 90 Jahren kostete das billigste Menü eine Mark. Dazu gehörte Vorsuppe, junger Gänsebraten und jede Menge Gemüse. Zum Nachtisch wurde eine dicke Eisbombe serviert.

Karnevalstreiben

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