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Der 26. Juli 1914 war ein
Sonntag. Ein Hoch über ganz Deutschland ließ
auch die Temperaturen im Ruhrgebiet auf über
30 Grad ansteigen. Der Himmel war wolkenlos,
was man volkstümlich "Kaiserwetter" nannte.
Wanner und Cranger Familien zogen scharenweise
zum Flugplatz nördlich der Emscher, wo Doppeldecker
und das legendäre Luftschiff "Charlotte" starten
sollten. Für die Besucher unverständlich, geriet
alles ins Stocken: Das Reichsluftfahrtsamt in
Berlin hatte nämlich alle privaten Flugversuche
kurzfristig untersagt.
Am besagten Sonntag ging
es auch in Wanne-Nord zünftig zu. Der Stenografenverein
"Gabelsberger" feierte im Lokal von Wilhelm
Marzina sein Sommerfest - jene Kneipe, wo heute
unsere Flora-Apotheke steht. Während man sich
für 10 Pfennig bei der Bootspartie auf dem kleinen
Gondelteich vergnügte, kamen kaum Stimmen auf,
daß binnen einer Woche alles anders werden sollte.
So kam es, daß ausgerechnet
Kirchenglocken von Sankt Laurentius, Luther-
und Christuskirche den Krieg einläuteten. Alles
passierte um die Mittagszeit am 1. August 1914.
An Plakatsäulen studierte man die Mobilmachungsbefehle,
die Dienstpflichtigen und Reservisten mußten
sich im Rathaus melden.
Bei der Eisenbahn war der
"Friedensfahrplan" außer Kraft gesetzt, stattdessen
tauchte ein Fahrplan mit Militär-Sonderzügen
auf. Mit Köfferchen und Pappkartons maschierten
die Rekruten über die Bahnhofsstraße (heute
Hauptstraße) zum Wanner Bahnhof, damals Sammelplatz
für die Weiterfahrt an die Westfront. Zwei Tage
später erging an die Wanner Pferdehalter die
Aufforderung, ihre Gäule zur "Pferdemusterung"
vorzuführen.
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