Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Kuriositäten von gestern und vorgestern

 

Alfred Kalinowski

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 Wanner Brieftauben landeten in den Kochtöpfen der Franzosen

Auch die Wanne-Eickeler Taubenzüchter hatten vor 75 Jahren unter der französischen Besetzung zu leiden. Für die Züchter bestand die Pflicht, ihre "Renner" bei der Brieftauben-Kontrollkommission im Rathaus registrieren zu lassen. Nicht angemeldete Tauben unterlagen der Beschlagnahme, wobei für den Besitzer ein kriegsgerichtliches Verfahren mit einer Höchststrafe bis zu zwei Jahren Gefängnis in Aussicht stand. Die rassigsten Tiere dienten der "Militärzucht", wozu die Franzosen motorisierte Taubenschläge anrollen ließen (Bild). Auch im Wanner Stadtgarten hatten sich damals Mobil-Schläge etabliert, weshalb der Part 1923/24 für die heimische Bevölkerung nicht zugänglich war. Der größte Teil der beschlagnahmten Tauben wanderte jedoch in die Kochtöpfe der französischen Offiziere. Die Wanner Züchter zogen schließlich Notschlachtungen für den eignen Gebrauch vor, denn erst als im Sommer 1926 die Franzosen das Stadtgebiet räumten, hieß es wieder "Gut Flug".

Ein Erinnerungs-Photo

Die Wanne-Eickeler staunten nicht schlecht, als vor fünf Jahrzehnten ein Straßenbahnzug der BOGESTRA mit Volldampf über die Hauptstraße fauchte. Weil der Wagenpark und das elektrische Oberleitungsnetz durch die Kriegswirren stark in Mitleidenschaft gezogen waren, entschloß sich das Nahverkehrsunternehmen zu einem Kuriosum, das in der gesamten Bundesrepublik ohne Beispiel blieb: Eine alte Dampflok, Baujahr 1904, wurde auf die Meterspur der Straßenbahn umgebaut und zusätzlich mit einem Stromabnehmer versehen. Ab 1947 fauchte der feurige Oldtimer u.a. auf der "Linie 6" nach Bochum. Sein Spitzname "Der schnelle Oskar" war fortan in aller Munde.

Unfreiwilliger Namensgeber war der damalige BOGESTRA-Direktor Oskar Witz: Mitarbeiter hatten das Dampfroß auf seinen Namen getauft. Bis 1951 war der qualmende Elias unterwegs. Erst ein Jahr später, als sich der Wagenpark normalisierte, schlug "Oskars" letzte Stunde: Er wurde verschrottet und endete im Hochofen.

In Crange feierte der Wasserski schon vor 85 Jahren Geburtstag. Seine Form war allerdings nicht so elegant wie heute, und es fehlte auch das Motorboot, das den Wasserskiläufer über die Wellen zieht. Die Bewohner Wanne-Eickels, die es anno 1941 scharenweise zum damals neu in Betrieb genommenen Rhein-Herne-Kanal trieb, bewunderten in Umgebung der Cranger Schleuse den ersten Wasserläufer.

Der nicht einmal sportlich gekleidete Mann war mit zwei Miniatur-Kähnen ausgerüstet, die irgendwie an den Füßen befestigt wurden. Los ging die Fahrt kanalabwärts, im Schneckentempo natürlich. Zur Balance hatte der Wassergeher ein Doppelruder, mit dem er notfalls auch den Kurs seiner beiden Mini-Kähne korrigieren konnte. Wehe aber, es gab Wellen auf dem Kanal, zum Beispiel wenn sich das Schleusentor öffnete: Dann half alles nichts, der Wasserläufer mußte mit den Fluten Bekanntschaft machen – zum Gaudi der Zuschauer versteht sich.

Die zentrale Gas-Tankstelle

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