Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Am 29. September 1908:

 

Alfred Kalinowski

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 Lyzeum an der Stöckstraße eröffnet den Unterricht

Die Anfänge des höheren Mädchenschulwesens in der früheren Gemeinde Wanne gehen bis in das Jahr 1895 zurück. Zu Ostern jenes Jahres nahm der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Eduard Hellweg, die ersten sechs Mädchen in seine höhere Privatknabenschule auf. Der Unterricht vollzog sich im Gemeindehaus der Christuskirche.

Einen ähnlichen Schritt unternahm die katholische Kirchengemeinde von Sankt Laurentius. Das war allerdings fünf Jahre später, genauer gesagt, am 1. April 1900. Hier waren es gleich 21 Mädchen, die unter Kaplan Schmidt in einer Schulbaracke auf dem Wanner Feuerwehrplatz unterrichtet wurden – zusammen mit den Jungen versteht sich.

Ein entscheidender Schritt vollzog sich im Jahre 1904. Die Wanner und die Eickeler Privatschulen schlossen sich zusammen und gründeten mit Zustimmung der Arnsberger Bezirksregierung das Realgymnasium an der heutigen Kurhausstraße. Hier begann der Unterricht am 15. November 1905 – die offizielle Einweihung folgte am 2. Juli 1906.

So segensreich die neue Schuleinrichtung für Jungen war, - die Mädchen standen plötzlich außen vor. Vieles mußte improvisiert werden. Unterrichtsstunden für Französisch und Englisch fielen flach, weil auch der Lehrer für Fremdsprachen zum Jungengymnasium wechselte. Verständlich, daß sich alsbald in weiten Kreisen der Bürgerschaft der Wunsch regte, ähnlich wie vorher die Knabenschulen, nun auch die beiden konfessionellen Mädchenschulen im Sinne einer einheitlichen Bildung zu vereinigen.

Am 10. Juli 1907 war es dann endlich soweit. Die Gemeinde Wanne, unter Vorsitz von Amtmann Friedrich Winter, legte den Grundstein für eine eigenständige Mädchenschule. Die Einweihung des Neubaus an der Stöckstraße erfolgte am 29. September 1908. Töchterschule oder auch Lyzeum nannte sich damals die paritätische Lehranstalt. Aufgrund des jährlich festgelegten Schulgeldes von 120 Mark mußten die Eltern tief in die Tasche greifen.

 

Die Wanner Töchterschule war zunächst keine staatliche, sondern lediglich eine öffentliche Schule. Deshalb bekam man dort keine staatlichen Abschlüsse wie beispielsweise das Abitur. Diese Entscheidung wurde erst 1926 durch die Erweiterung zum Oberlyzeum festgelegt. So ging dann ab April 1926 die erste Obersekunda in Betrieb. 1929 verließen die ersten zehn Abiturientinnen nach bestandener Reifeprüfung die Anstalt.

Bis in die Kriegszeit vollzog sich kaum eine schulische Wandlung. Das ließ sich bei den damaligen Bombenangriffen auch nicht realisieren.

Kinderlandverschickung

Abschied zur Kinderlandverschickung in die Oberpfalz 1944.

Im August 1943 kam es zur Evakuierung. Ein Sonderzug brachte 173 von 280 Schülerinnen nach Reichenberg. Als das Gebäude an der Stöckstraße – damals Adolf-Hitler-Straße – von Sprengbomben getroffen wurde, machte die Schule 1944 dicht. Die letzten Klassen wurden Anfang 1945 in die Oberpfalz umquartiert. Die Rückführung der Mädchen und Lehrer wurde im Spätsommer 1945 möglich. Doch die Nachkriegsjahre waren von Aufbau und Behelf gekennzeichnet, ehe 1958 das 50jährige Schuljubiläum wieder in "geordneten Bahnen" verliefen.

Das alte Schulgebäude an der Ecke Stöck-/Gerichtsstraße

Das alte Schulgebäude an der Ecke Stöck-/Gerichtsstraße wurde vor 90 Jahren Töchterschule genannt.

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