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Erst 1919, als die Monarchie
zusammengebrochen war und die Kinder auf der
Straße sangen "Der Kaiser hat in Sack gehaun,
er kauft sich einen Henkelmann und fängt bei
Krupp als Dreher an", gab es den ersten Maiumzug,
der einige tausend Teilnehmer sah. Alsdann gab
es alljährlich am 1. Mai eine Kundgebung. Was
die Demonstranten damals mit viel "Knüppelmusik"
forderten, wie Jugend- und Mutterschutz, Achtstundentag,
Soziallöhne und drei Wochen Jahresurlaub, das
ist heute längst Wirklichkeit geworden und wird
vielfach von den Jüngeren als eine Selbstverständlichkeit
betrachtet. Die Alten haben diese Errungenschaft
damals erkämpfen müssen.
Noch 1933 kam es zu einer
Maifeier. Jedoch ohne Gewerkschafter, denn die
führenden Leute waren verhaftet oder hielten
sich verborgen, denn die braune SA hatte wenige
Tage zuvor die Wohnungen der Gewerkschaftsfunktionäre
aufgesucht, um die alten Kämpen in Schutzhaft
zu nehmen. In der Stadthalle Wanne-Süd wurde
verkündet, daß die alten Gewerkschaften verboten
und deren Eigentum in die "Deutsche Arbeitsfront"
übergeht. Bis 1939 fanden zentrale Maikundgebungen
auf den Marktplätzen in Eickel, Wanne-Süd und
dem Feuerwehrplatz an der Adolf-Hitler-Straße
(heute Stöckstraße) statt.
Im Krieg 1939/45 fielen einige
Maifeiern aus, weil Kohlen gefördert werden
mußten - ab 1943 befürchtete man TieffIiegerangriffe.
1946 gab es die erste freie Maifeier, wozu sich
10.000 Wanne-Eickeler auf dem Preußenplatz an
der Stöckstraße versammelten. Gewerkschaftschef
Wilhelm Heimüller hielt von einem angefahrenen
Lastwagen aus eine halbstündige Ansprache, die
vom Wanner Männerchor unter der Leitung von
Wilhelm Beckmann verschönt wurde.
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