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Ein großangelegter Streik
der Bergleute im Sommer 1889 war der zündende
Funke zur Gründung der Bergarbeitergewerkschaft,
die nunmehr auf ihr 110jähriges Bestehen zurückblicken
kann. 200 Delegierte von 66 Ruhrgebietszechen
und 44 Knappenvereinen, darunter drei Vertreter
aus Bickern hoben am 18. August 1889 unter dem
Namen "Verband zur Wahrung und Förderung bergmännischer
Interessen" die erste geschlossene Berufsorganisation
aus der Taufe. Bei der Gründung hatten sich
spontan 15.000 Bergleute der neuen Gewerkschaft
angeschlossen, ein Jahr später waren es schon
58.000. Die Aufnahmegebühr betrug fünf Groschen,
der Monatsbeitrag kostete die Hälfte.
Bereits Ende April 1889 spitzte
sich die Lage zu: Auf der Röhlinghauser Zeche
Königsgrube verweigerten Kohlenschlepper und
Pferdejungen die Arbeit. Bergmann Führlotter
von der Zeche "Unser Fritz" organisiert in Crange
eine Protestversammlung, die Konsequenzen haben
sollte. Am 8. Mai meldet die Bergbehörde: Auf
vier Zechen in Wanne und Eickel sind 4.900 Beschäftigte
im Ausstand und lassen die Kohlenförderung zusammenbrechen
- wir bitten um Polizeiverstärkung.
Als dieser Hilferuf sogar
die Staatsregierung in Berlin erreichte, entsendet
Kaiser Wilhelm II. gleich vier Kompanien Militär
in unsere örtliche Umgebung, davon allein die
Hälfte zu den Zechen Pluto und Königsgrube.
An der Wanner Bahnhofstraße (heute Hauptstraße)
kam es wiederholt zu Schießereien, wobei auch
zwei Frauen durch Gewehrsalven verletzt wurden.
Die Bergleute versuchten
zunächst vergeblich, die Einführung der "Fünfzig-Stunden-Woche"
zu forcieren. Auch für die tägliche Schichtlohnerhöhung
von durchschnittlich 2,80 auf 3,50 Mark zeigte
die Grubenleitung kaum Entgegenkommen. Ebenso
wetterten die Kumpel über die schlechte Behandlung
seitens der Steiger. Sie weigerten sich, Pannschüppe,
Grubenlampe und sogar das Schießpulver aus der
schmalen Lohntüte zu bezahlen.
Ähnliche Mißstände gab es
bei der Knappschaft, wo man für verordnete Arzneimittel
den halben Preis zulegen mußte. Wer unfallbedingt
nicht mehr berufstätig war, bekam von der Bergbau-Berufsgenossenschaft
eine durchschnittliche Monatsrente von 20 Mark.
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