Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Vor 100 Jahren:

 

Alfred Kalinowski

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 Pferderennbahn bei "Löns - Mühle" hielt die Emscherbrücher auf Trab

Die Pferderennbahn "Löns - Mühle"

Auf zum Start in die Rennbahn "Löns - Mühle"

Über die legendären "Emscherbrücher", die in Crange und Umgebung wild lebenden Pferde, ist schon soviel geschrieben worden, daß man sich darüber eigentlich jedes weitere Wort ersparen könnte. Wenn man der Chronik glaubt, sind die letzten dieser Vierbeiner bereits 1834 eingefangen worden.

Aber die Erinnerung an sie ist ungemein lebendig geblieben, dafür sorgt nicht zuletzt die Cranger Kirmes, die auch in diesem Jahr mit einem Pferdemarkt verbunden ist. Gleich neben unserer "Flora-Apotheke" hat die Stadt den "Emscherbrüchern" ein monumentales Denkmal gesetzt, aus Dankbarkeit, weil es ohne diese Pferde wohl nie zu dem größten Volksfest des Ruhrgebietes gekommen wäre.

Den meisten Wanne-Eickelern dürfte hingegen unbekannt sein, daß es vor 100 Jahren an der Dorstener Straße eine Pferderennbahn gab. Der bekannte Gastwirt Heinrich Löns, übrigens verwandt mit dem Heidedichter Hermann Löns, hatte dieses Geläuf angelegt.

Obwohl sein Anwesen nur zur Hälfte zur Gemeinde Eickel gehört, da die "Grenze" nach Bochum mitten durch die Kneipe verlief, fühlte er sich immer als Eickeler Junge.

Als er der Hänseleien überdrüssig wurde, warum der größere Ort Eickel noch keine Rennbahn besitze, während die benachbarten Riemker schon um 1880 in Umgebung des Tippelsberges eine angelegt hatten, baute er die hinter dem Lokal gelegene Wiese mit allen Schikanen zu einer Rennbahn aus - sogar mit überdachter Zuschauertribüne.

Anschließend gründete er den "Eickeler Rennverein", dem sich auch Landwirte aus Bickern und Crange zugehörig fühlten.

Die Rennbahn bei Löns-Mühle erfreute sich von Anfang an großer Beliebtheit. Auch Rassepferde von Adelsfamilien und der kaiserlichen Wehrmacht waren am Start. Ungeklärt ist hingegen, ob an dieser Stelle auch Pferde aus der Zucht der "Emscherbrücher" getrabt haben.

Aus dem Jahre 1896 liegt noch ein detaillierter Veranstaltungsbericht vor, der vermutlich deswegen so ausführlich gehalten ist, weil es bei dieser Gelegenheit zu einem regelrechten Skandal im Eickeler Rennverein kam. An dem nicht gerade warmen Julitag waren fünf Rennen angesagt.

Tausende Schaulustige strömten zum Geläuf. Um den Verkehr zu bewältigen, hatte der Haudereibesitzer Fork mit Pferdefuhrwerken einen lebhaften Personenverkehr nach Crange, Herne und Bochum eingerichtet. Weil auch der Rennbahnbesitzer Löns für gute Bewirtung und civile Preise bestens Sorge getragen hatte, herrschte schnell Hochstimmung.

"Entree 2 1/2 Groschen." Damit die Geldscheine vom Wind nicht wegflattern konnten, wurde die Wettannahme an Biertische im Gesellschaftszimmer verlegt.

Die beiden ersten Hindernisrennen, die von Züchtern aus Dortmund und Witten gewonnen wurden, gingen glatt über die Strecke. Als dann aber das "Flachrennen für Arbeitspferde" gestartet werden sollte, wurde es bedeutend lebhafter. Hier waren es Gäule, die an gewöhnlichen Tagen brav ihrer Arbeit vor dem Milchwagen oder Gemüsekarren nachgingen.

Im Eifer des Gefechts machte ein Wanner Jockey Bekanntschaft mit dem Boden. Sein Pferd, angefeuert von den Rufen der Zuschauer, raste allein weiter und ging auch als erstes durchs Ziel. Aber der Sieg wurde auch in diesem Meeting einem Pferdebesitzer aus Herbede zuerkannt. So sahen die Einheimischen zu, wie ein Preis nach dem anderen nach auswärts entführt wurde. Im nächsten Rennen kam es dann zu einer regelrechten Keilerei, die mit der Disqualifikation des Eickeler Favoriten endete, weil der Reiter einen Kontrahenten aus Lünen unfair bedrängt und mit der Peitsche blutig verletzt hatte.

Bei Vergabe der Preisgelder kam es dann noch zu einer Massenschlägerei, bei der Ordnungshüter schlichtend eingreifen mußten. Versöhnlicher wurde die Stimmung erst wieder, als die Veranstaltung mit einem Rennen für Ponys beendet und von einem Wattenscheider Teilnehmer gewonnen wurde.

Das Interesse für die Rennveranstaltungen bei "Löns-Mühle" ließ allmählich nach, bis diese dann um die Jahrhundertwende gänzlich aufgegeben wurden.

Auf dem Gelände der Rennbahn wuchsen wieder Kraut und Rüben, bis es sich die Eickeler Jugend zu einem Fußballplatz herrichtete, auf dem sie dann unter dem Motto "Spiel und Sport' ihre Spiele austrug. Aus dieser Vereinigung ging im Jahre 1912 der Turnerbund Eickel hervor - heute DSC Wanne.

Treiben auf der Pferderennbahn

Auf der sommerlichen Terasse fanden auch Frauen ihr Vergnügen.

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