Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

1900 in Wanne:
 

Alfred Kalinowski

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 Neuer Schlachthof brachte auch die Pferdemetzger auf Trab

Die Wanner Metzger waren stolz, als vor 100 Jahren der kommunale Schlachthof in Betrieb genommen wurde. Dabei hatten die einstigen Gemeindeväter und Fleischer jahrelang um die Einrichtung eines Schlachthauses gerungen, beginnend 1894 mit ersten Überlegungen bis zur Eröffnung am 28. Juli 1900.

Begründet wurde das Vorhaben damit, dass eine Anzahl von Metzgereien mitten im Wanner Ortskern lägen, was wegen mangelhafter Kanalisation zu Geruchsbelästigungen führe.

Gegen den zuerst geplanten Standort am Ende der Bickernstraße wehrten sich die Metzger wegen der großen Entfernung zum Wanner Bahnhof, wo das Vieh abgeholt werden musste. Alsdann besann man sich auf ein 5,35 Morgen großes Grundstück an der Ecke Gelsenkircher Straße / Schlachthofstraße. Für die Zufahrt mussten jede Menge Pflastersteine angekarrt werden, an Asphaltierung war damals längst nicht zu denken.

Ein Blick in den Metzgerladen Rosenkranz anno 1927

Die Wanner Metzger waren stolz, als vor 100 Jahren der kommunale Schlachthof in Betrieb genommen wurde. Dabei hatten die einstigen Gemeindeväter und Fleischer jahrelang um die Einrichtung eines Schlachthauses gerungen, beginnend 1894 mit ersten Überlegungen bis zur Eröffnung am 28. Juli 1900.

Begründet wurde das Vorhaben damit, dass eine Anzahl von Metzgereien mitten im Wanner Ortskern lägen, was wegen mangelhafter Kanalisation zu Geruchsbelästigungen führe.

Gegen den zuerst geplanten Standort am Ende der Bickernstraße wehrten sich die Metzger wegen der großen Entfernung zum Wanner Bahnhof, wo das Vieh abgeholt werden musste. Alsdann besann man sich auf ein 5,35 Morgen großes Grundstück an der Ecke Gelsenkircher Straße / Schlachthofstraße. Für die Zufahrt mussten jede Menge Pflastersteine angekarrt werden, an Asphaltierung war damals längst nicht zu denken.

Immerhin, es gab Schlachthallen für Rinder, Schweine und Kleinvieh, womit Schafe und Ziegen inbegriffen waren. Ab 1904 hatte sich auch die Gemeinde Eickel dem verordneten Schlachthofzwang angeschlossen. Damit konnten gleich sechs Pferdemetzger in eigener Schlachthalle die Filetstücke zum angedachten Sauerbraten zerlegen. Der bekannteste Rossschlächter war bis in die fünfziger Jahre Emil Kettler. An der Wanner Hauptstraße unterhielt er einen Frischfleichladen und eröffnete gleich nebenan ein Spezialitäten-Restaurant. Als die Preise noch klein waren, gab es den butterweichen "Sauer" mit Klößen und Rotkohl für eine Mark. Wer es eilig hatte bekam eine heiße Pferdefrikadelle für unterwegs - Stückpreis 10 Pfennig.

Die Schlachthofbelegschaft  vor etwa 95 Jahren

Und was war anfangs im Schlachthof los? Jährliche Schlachtung von 9.300 Stück (1901) auf über 26.000 bis 1914. Täglich wurden bis zu 100 Zentner Stangeneis produziert, wovon vor allem drei Wanne-Eickeler Krankenhäuser profitierten. Der erste Leiter des Schlachthofes war Direktor Dr. Jochim bis 1910, danach übernahm Tierarzt Büscher aus Eickel die Chefstelle. Um diese Zeit wurden Großviehhalle und Kühlhaus bedeutend erweitert. Hinzu kam ein neues Verwaltungszentrum und eine modern eingerichtete Freibank. Erwähnenswert ist eine große Wurstküche, die im ersten Weltkrieg in Betrieb ging. Täglich wurden hier bis zu fünf Tonnen der so genannten "Scherarbeiterwurst" für die Bergleute des Bezirks Bochum, Hattingen, Herne und Wanne-Eickel hergestellt.

Der städt. Schlachthof hat kaum acht Jahrzehnte überlebt.

Immer mehr Wanne-Eickeler Metzger bedienten sich der preisgünstigen Angebote von Versandschlachtereien. Überlegungen zur Privatisierung führten zu nichts, so dass die Schließung unumgänglich war.

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