Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Utopia vor 75 Jahren

 

Alfred Kalinowski

Weitere Artikel in unserem Archiv >>

 Ruhrgebietsstätte mit viel Phantasie entwickelt - 
 Wanne sollte zu Gelsenkirchen gehören

Nur wenige Takte der Zukunftsmusik, die Städtebauer schon vor 75 Jahren sangen, sind für Wanne-Eickel jetzt Wirklichkeit: die S-Bahn, ein hochstöckiges Anna-Krankenhaus und das drahtlose Telefonieren mit dem Handy. Ansonsten hinkt das jetzt angebrochene Jahr 2.000 kläglich hinter den Vorstellungen einiger revolutionärer Planer her. Es war eine Gruppe namhafter Architekten, die Anfang der zwanziger Jahre das Ruhrgebiet bereisten und auch in Wanne-Eickel Station machten. Nach ihren Vorstellungen sollte das damals noch eigenständige Amt Wanne der angedachten Metropole Gelsenkirchen zugeordnet werden. Für Eickel stand der Anschluss nach Bochum bevor. Weitere Ergebnisse ihrer Phantasie fixierten sie mit dem Zeichenstift und führten das Bild (siehe Foto) im Jahr 1925 auf einer Verkehrsaustellung der verblüfften Öffentlichkeit vor.

So stellten sich damals die Zukunftsforscher die Großstadt von morgen vor: Ganz amerikanisch sollte sie sein.

Hochhäuser, Giganten aus Beton und Stahl, elektrische Bahnen und ein Verkehrsnetz, das sich auf drei Ebenen abspielt. die Städte sollten sich nicht ins Uferlose aufblähen. Stattdessen sollten Töchter- und Trabantenstädte an die Mutterstadt angegliedert werden. diese Trabantenstädte wie Universitätsstadt, Sportstadt und Krankenstadt waren in der Vorstellung der Experten durch weiträumige Grünflächen von der Mutterstadt getrennt. Tief hinab in die Erde sollte die Stadt von heute führen. Zuunterst die Tunnel der Fernbahnen, darüber die S-Bahnen und in der obersten Ebene die U-Bahnen. Alle drei Ebenen sollten mit Paternosteraufzügen verbunden sein.

Über dem Erdboden sollten sich ebenfalls drei Stockwerke erheben. Die unterste Straße für den Lastwagenverkehr. Ein Stock höher bewegten sich die Menschen auf Rollschuhen und darüber fahren die Straßenbahnen. Ganz oben, bevorzugt von Luft und Tageslicht, sollte die Straße für den Personenverkehr frei sein.

Bahnen und Kraftwagen sollten ihre Kraft nicht durch den luftverpestenden Explosionsmotor, sondern durch den Elektromotor beziehen. Die erforderliche Energie sollte aus der Sonne bezogen werden, deren Kraft in einem großen Spiegel auf den Hochhäusern eingefangen wird.

Revolutionär war auch die Vorstellung der Zukunftsmusikanten über den Flugverkehr. Hubschrauber als Luftdroschken für den Nahverkehr hatten ihre Landeplätze auf den Dächern der Hochhäuser. Luftstraßen dienten modernen Flugapparaten für den Weiterverkehr, die mit Raketen gezündet sein sollten.

Und sogar der Mond schien den Städteplanern vor 75 Jahren nicht unerreichbar: Raketenfahrzeuge u. Lichttelegrafen sollten den Kontrakt zum Mond und anderen Planeten herstellen. Für das drahtlose Telefonieren rund um den Erdball genügte eine Zentralvermittlung weit unterhalb der uns bekannten Himmelstür.

So sahen Architekten vor 75 Jahren die Ruhrgebietsstadt von morgen. Für Wanne-Eikel ging nur die S-Bahn nach Dortmund und Essen in Erfüllung

Weitere Geschichten finden Sie in unserem Archiv.

Preiswert für Ihre Gesundheit!