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In diesem Sommer ist es 50
Jahre her, daß Wanne-Eickel von einer Einwanderungswelle
überrollt wurde. Es waren vor allem Vertriebene
aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie
und Flüchtlinge aus der Sowjetzone (SBZ), die
hier ein neues Zuhause suchten. Ende 1945 waren
bereits 500 Vertriebene registriert. Diese Zahl
kletterte bis 1947 auf 4.300 und erreichte bis
1950 die Höchstmarke von 7.300. Das waren 8,4
Prozent der Wanne-Eickeler Stadtbevölkerung,
die insgesamt 86.500 Einwohner ausmachte.
Die meisten Neuankömmlinge
durchliefen zunächst das Durchgangslager in
der Berufsschule an der Wilhelmstraße. Zur Desinfektion
zählte eine "Entlausungsanstalt", die in der
anliegenden Turnhalle etabliert war. Wer gesundheitlich
nicht mithalten konnte, wurde gleich gegenüber,
in der Königin-Luise-Schule stationär behandelt.
Hier war bis 1948 ein Notkrankenhaus in Betrieb,
das von Ärzten und Schwestern des St.-Josef-Hospitals
betreut wurde. Doktor Schone leistete viel Hilfe;
außerdem sorgte Frauenarzt Dr. Großkopf dafür,
daß bei den Neugeburten nichts schiefging.
Für die Verpflegung der Neubürger
sorgten Gemeinschaftsküchen im Wanner Rathaus,
bei der Heilsarmee und im evangelischen Vereinshaus
an der Claudiusstraße.
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Mütter mit ihren Kindern
unterwegs zur Gemeinschafts- küche – vor 50
Jahren ein alltägliches Bild.
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Hier wurden täglich bis zu
1.200 Personen versorgt. Für Kinder wurde ab
April 1946 eine Zentralküche eingerichtet, wobei
sich die anfänglich 8.000 Portionen bis zur
Währungsreform 1948 auf 11.000 steigerten. Zunächst
waren diese Zusatzrationen aus der sogenannten
Quäkerspeisung kostenlos. Später mußten die
Eltern 1,20 Mark pro Woche zulegen.
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Überall im Stadtgebiet
entstanden Wellblech-Unterkünfte, im Volksmund
"Nissenhütten" genannt. Allein 43 davon prägten
die Umgebung der Rottstraße.
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Das größte Problem zur damaligen
Zeit war die Wohnungsnot. Von den 25.500 Wohnungen
aus der Vorkriegszeit waren 10.600 zerstört
oder beschädigt. Die Luftschutzbunker am Wanner
Bahnhof, an der Roonstraße und Karlstraße wurden
als Notunterkünfte hergerichtet. Weitere Behelfswohnungen
waren über die ganze Stadt verteilt. Das reichte
von den Holzunterkünften in "Unser Fritz" bis
zur großen Wellblechkolonie an der Rottstraße/Bahnübergang
Heerstraße. In einem alten Barackenlager an
der Gelsenkirchener Straße, das zuvor als Unterkunft
für russische Kriegsgefangene gedient hatte,
hatte sich so viel Ungeziefer eingenistet, daß
es abgebrannt werden mußte. Wanne-Eickels Oberbürgermeister
Edmund Weber und Oberstadtdirektor Dr. Wilhelm
Elbers sorgten dann dafür, daß bis 1950 über
4.500 Neubauwohnungen erstellt werden konnten.
Für die Vertriebenen bedeutete das einen Stadt-
und Landeszuschuß von sieben Millionen Mark.
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