Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Vor 50 Jahren kam die große "Einwanderungswelle"

 

Alfred Kallinowski

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 Vertriebene lebten in Wellblechhütten und Luftschutzbunkern

In diesem Sommer ist es 50 Jahre her, daß Wanne-Eickel von einer Einwanderungswelle überrollt wurde. Es waren vor allem Vertriebene aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie und Flüchtlinge aus der Sowjetzone (SBZ), die hier ein neues Zuhause suchten. Ende 1945 waren bereits 500 Vertriebene registriert. Diese Zahl kletterte bis 1947 auf 4.300 und erreichte bis 1950 die Höchstmarke von 7.300. Das waren 8,4 Prozent der Wanne-Eickeler Stadtbevölkerung, die insgesamt 86.500 Einwohner ausmachte.

Die meisten Neuankömmlinge durchliefen zunächst das Durchgangslager in der Berufsschule an der Wilhelmstraße. Zur Desinfektion zählte eine "Entlausungsanstalt", die in der anliegenden Turnhalle etabliert war. Wer gesundheitlich nicht mithalten konnte, wurde gleich gegenüber, in der Königin-Luise-Schule stationär behandelt. Hier war bis 1948 ein Notkrankenhaus in Betrieb, das von Ärzten und Schwestern des St.-Josef-Hospitals betreut wurde. Doktor Schone leistete viel Hilfe; außerdem sorgte Frauenarzt Dr. Großkopf dafür, daß bei den Neugeburten nichts schiefging.

Für die Verpflegung der Neubürger sorgten Gemeinschaftsküchen im Wanner Rathaus, bei der Heilsarmee und im evangelischen Vereinshaus an der Claudiusstraße.

Mütter mit ihren Kindern

Mütter mit ihren Kindern unterwegs zur Gemeinschafts- küche – vor 50 Jahren ein alltägliches Bild.

Hier wurden täglich bis zu 1.200 Personen versorgt. Für Kinder wurde ab April 1946 eine Zentralküche eingerichtet, wobei sich die anfänglich 8.000 Portionen bis zur Währungsreform 1948 auf 11.000 steigerten. Zunächst waren diese Zusatzrationen aus der sogenannten Quäkerspeisung kostenlos. Später mußten die Eltern 1,20 Mark pro Woche zulegen.

Wellblech-Unterkünfte

Überall im Stadtgebiet entstanden Wellblech-Unterkünfte, im Volksmund "Nissenhütten" genannt. Allein 43 davon prägten die Umgebung der Rottstraße.

Das größte Problem zur damaligen Zeit war die Wohnungsnot. Von den 25.500 Wohnungen aus der Vorkriegszeit waren 10.600 zerstört oder beschädigt. Die Luftschutzbunker am Wanner Bahnhof, an der Roonstraße und Karlstraße wurden als Notunterkünfte hergerichtet. Weitere Behelfswohnungen waren über die ganze Stadt verteilt. Das reichte von den Holzunterkünften in "Unser Fritz" bis zur großen Wellblechkolonie an der Rottstraße/Bahnübergang Heerstraße. In einem alten Barackenlager an der Gelsenkirchener Straße, das zuvor als Unterkunft für russische Kriegsgefangene gedient hatte, hatte sich so viel Ungeziefer eingenistet, daß es abgebrannt werden mußte. Wanne-Eickels Oberbürgermeister Edmund Weber und Oberstadtdirektor Dr. Wilhelm Elbers sorgten dann dafür, daß bis 1950 über 4.500 Neubauwohnungen erstellt werden konnten. Für die Vertriebenen bedeutete das einen Stadt- und Landeszuschuß von sieben Millionen Mark.

 

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