Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Währungsreform 1942:

 

Alfred Kallinowski

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 75.000 Wanne-Eickeler erhalten 20 DM Nachschlag

Im August vor 50 Jahren herrschte in Wanne-Eickel Freudenstimmung. Es gab einen Nachschlag! Auf die am 20. Juni 1948 gezahlten vierzig Deutschen Mark, mit der die "Stunde Null" der neuen Währung begann, wurden weitere 20 Mark als Kopfgeld draufgelegt. Das bedeutete eine Aufbesserung der schmalen Familienkasse. Denn die rund 76.000 Wanne-Eickeler merkten noch nichts von dem wenig später einsetzenden "Wirtschaftswunder". Sie mußten den Schmachtriemen noch immer engschnallen.

Wanne-Eickels damaliger Oberbürgermeister Heinrich Weidmann und Oberstadtdirektor Wilhelm Elbers setzten jedoch erste Zeichen für den Aufschwung nach der totalen Lähmung. Im Stadtparlament hielt die CDU mit 18 Sitzen die Vormachtstellung vor der SPD mit 12 und drei Mandate der Kommunisten.

Der Bergbau, der als erster Industriezweig mit Unterstützung der britischen Besatzungsmacht wieder angekurbelt worden war, beschäftigte in Wanne-Eickel 6.700 Kumpel. Die vier heimischen Zechen Königsgrube, Shamrock, Pluto und Unser Fritz förderten im Währungsjahr 1,4 Millionen Tonnen Kohle - knapp drei Prozent der gesamten Ruhrgebietsförderung. Hinzu kamen 500.000 Tonnen Koks, die in der Ofenbatterie von Shamrock produziert wurden. Das überschüssige Kokereigas strömte zur Weiterverarbeitung ins Holsterhauser Stickstoffwerk Hibernia, das damals an die 1.000 Stammarbeiter zählte.

Auch die Mittel- und Kleinindustrie profitierte langsam vom Aufschwung der neuen Mark. Um diese Zeit gab es in Wanne-Eickel 800 Handwerksbetriebe mit 4.000 Beschäftigten. Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte kletterte auf 400 - fünfzig Großhändler sorgten für den nötigen Nachschub.

Sogar das Sparen kam wieder in Mode. Die Wanner Stadtsparkasse verbuchte bis Ende 1948 bereits 20.000 Konten mit einer Gesamteinlage von drei Millionen Deutsche Mark. Demgegenüber mußte sich die Stadt bei der Währungsreform mit 630.000 DM Überbrückungsgeld für den öffentlichen Haushalt zunächst einige Monate über Wasser halten.

Auch mit dem Wohnungsbau ging es nur spärlich voran Von den 25.500 Wohnungen aus der Vorkriegszeit waren 10.600 durch Fliegerbomben zerstört oder beschädigt. In diesem Trümmerberg, wo eine Wellblechbaracke oder Gartenlaube als komfortabel galt, suchten über 10.000 Menschen ein Zuhause. Bis zur Währungsreform standen jedem Wanne-Eickeler Bürger statistisch vier Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Der erste soziale Wohnungsbau wurde mit 4,5 Millionen Mark aus der Landeskasse finanziert und brachte bis 1950 über 1.000 neue Wohneinheiten. Wer bei der Wohnungsvergabe Glück hatte, zahlte eine Monatsmiete von durchschnittlich 1,- DM, pro Quadratmeter versteht sich.

 

Die Währungsreform

Mit dem Nachschlag von zwanzig Mark füllten sich auch wieder die Ladenregale in der Wanner City.
Hier die Hauptstraße im Kreuzungsbereich Wilhemstraße.

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