Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Vor 100 Jahren

 

Alfred Kalinowski

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 Mutters Weihnachtsgeschenk: Waschmaschine mit Handkurbel

Was heutzutage der Heimcomputer oder das Handy als weihnachtliche Geschenkidee ausmachen, das waren um die Jahrhundertwende geistvolle Erfindungen, die uns heute ebenso selbstverständlich in der Nutzanwendung wie auch kurios in der Ausführung anmuten. Sogar die Haushaltsgeräte von damals zeigten schon Ansätze, die den Hausfrauen das Leben leichter machen sollten.

 So wurde um die Weihnachtszeit des Jahres 1899 den Wanne-Eickeler Familien das "Waschwunder" angepriesen. Der Konstrukteur Louis Krauss verhieß den Hausfrauen kinderleichte Bedienung dieser technischen Neuheit. So ließ der Urheber wissen, daß dieser Waschapparat alle Vorzüge der modernen Wäschepflege charakterisiere. Durch die unmittelbare Verbindung von Kochkessel und Drehkurbel wurde die zeitraubende Handreinigung auf dem Waschbrett überflüssig. Der mit Schamotte ausgekleidete Feuerofen reduzierte den Holz- oder Kohlenverbrauch um die Hälfte.

 Die Einführung des unkomplizierten "Waschwunders" wurde besonders den Großfamilien empfohlen. Bei einem Verkaufspreis von 130 Reichsmark konnten unter den Bedingungen des Arbeitsnachweises auch Ratenzahlungen vereinbart werden.

Ein Erinnerungs-Photo

Kinderleichte Bedienung versprach der Erfinder des "Waschwunders" vor 100 Jahren.

Die Entwicklung der Waschgeräte ging zügig weiter. Ein Bottich aus "bestem und teuerstem" Eichenholz diente als Gehäuse der ersten Miele-Waschmaschine, die im Jahr 1903 das Ende des mühsamen Rubbelns einläutete. Allerdings mußte die Wäsche durch ein Schwungpendel mit einer schweren Eisenkugel dran (siehe Bild) per Muskelkraft hin- und herbewegt werden. Dann kam der verheißungsvolle "Wassermotor" ins Gespräch, der bei uns im Ruhrgebiet kaum realisierbar war.

Die zentrale Gas-Tankstelle

Die neueste Erfindung von Miele anno 1903: Eine Waschmaschine in Edelholz, die für den Antrieb mit einer schweren Eisenkugel bestückt war.

In Wanne-Eickel hatte nur jeder fünfte Familienhaushalt einen eigenen Wasserhahn – meist mit Zufluß mittels Bleirohr. Aber wie sollte da die Wäsche laufen, wenn der Motor streikte? Eine gute Hausfrau stand frühmorgens gegen zwei Uhr auf und heizte mit "Mutterklötzchen" den Waschofen an. Dann wurde das Zeug umgefüllt in den dicken Holzbottich, der maschinell alles großporig reinigen sollte.

Aber das funktionierte nur, wenn das Wasser lief. Bis morgens um sieben Uhr mußte die Großwäsche erledigt sein, danach kam der Motor mangels Wasserdruck kaum noch in die Gänge.

Von Silvester 1928 wird berichtet, daß fast alle Wasserleitungen zugefroren waren. Trink- und Waschwasser mußte in Wanne-Nord aus noch fünf vorhandenen Brunnen gepumpt werden.

 

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