Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Erinnerungen an Edmund Weber:

 

Alfred Kalinowski

Weitere Artikel in unserem Archiv >>

 Als Oberbürgermeister führte er Wanne-Eickel zur Großstadt

Bis zum 16. Dezember 1969 war Edmund Weber der dienstälteste Oberbürgermeister in Nordrhein-Westfalen. Seit 1948 stand er an der Spitze des Rates der Stadt Wanne-Eickel. Bis dahin war sein Lebensweg recht zäh.

 1919 kam der am 21. September 1897 in Gebese (Thüringen) geborene Kommunalpolitiker nach Wanne. Zwölf Jahre war er als Bergmann auf der Zeche Pluto tätig und wurde dann wegen seiner Kriegsverletzungen arbeitslos. Kaum nachvollziehbar, sein Lebensweg bis März 1945. Alles änderte sich schnell, als die britische Besatzungsmacht das Zepter übernahm. Stadtkommandant Fox war es, der in der Sitzung am 5. März 1946 Wilhelm Heimüller bestimmte, sein Stellvertreter war Edmund Weber. Die zweite Gemeindewahl am 17. Oktober 1948 brachte eine Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse von der CDU zur SPD. 

Edmund Weber, vom 2. November 1948 bis zum 16. Dezember 1969 Oberbürgermeister der Stadt Wanne-Eickel. Die Bürger haben dem beliebten Stadtoberhaupt 1975 ein bleibendes Denkmal gesetzt: Gemeint ist die Edmund-Eber-Straße zwischen Eickel und Röhlinghausen.

Seit dem 2. November 1948 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Rat war Edmund Weber ununterbrochen Oberbürgermeister. Er war ein Mann aus dem Volke geblieben, der seine Aufgaben als Stadtoberhaupt erst nahm. Von ihm gingen bedeutsame Impulse für den Wiederaufbau der Stadt aus, als es galt, aus Ruinen wieder neues Leben erstehen zu lassen. Bei all seinem Wirken war Herr Weber auf Ausgleich bedacht - eine Haltung, die seiner Arbeit und gleichzeitig der Kommunalpolitik im Wanner Rathaus von großem Nutzen war. Etwa 80.000 Einwohner zählte die Stadt bei seiner Amtsübernahme - an Großstadtwerdung war längst nicht zu denken.

Alles wurde über den Haufen geworfen, als immer mehr Flüchtlinge, Vertriebene und Arbeitswillige für den florierenden Bergbau an die Emscher kamen. Dann kam der 29. April 1955: Im Josefshaus an der Schulstraße wurde ein strammer Junge geboren, er hieß Rüdiger Klaus und machte Wanne-Eickel zur Großstadt. Als dann alle Wanne-Eickeler Kirchenglocken diesen Festtag einläuteten, hatte nicht nur der Oberbürgermeister Freudentränen in den Augen. Man traf sich zum üppigen Bankett im Saalbau an der Wilhelmstraße, wo das "Wirtschaftswunder" erste Akzente zeigte.

Und wie ging es mit Edmund Weber weiter? Seine reiche Erfahrung wurde auch überörtlich geschätzt. Seit 1956 war er Mitglied der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe und gehörte zum Beirat der Landes- und Wasserschutzpolizei. Im ersten Weltkrieg verwundet, wurde der gebeutelte Soldat sehr bald auf die Nöte der Kriegsopfer aufmerksam. Er trat dem Reichsbund der Kriegsopfer und Zivilgeschädigten bei, wurde dessen Kreisvorsitzender und schließlich Mitglied des Bundesvorstand des "Reichesbundes". Nicht zu vergessen sind seine Verdienste beim Wirken für die Arbeiterwohlfahrt wie auch das reichlich bezuschusste Stadt-Kinderheim auf der Ferieninsel Norderney.

An Ehrungen für Alt-Oberbürgermeister Weber hat es nicht gefehlt. Bereits im Jahre 1952 verlieh ihm die Stadt den goldenen Ehrenring, 1962 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Anläßlich seiner Verabschiedung wurde der 72-Jährige zum Ehrenbürger der Stadt Wanne-Eickel ernannt. Nach schwerer Erkrankung verstarb Edmund Weber am 11. Juni 1970. Seine Ruhestätte fand er in der Familiengruft auf dem Waldfriedhof.

Weitere Geschichten finden Sie in unserem Archiv.

Preiswert für Ihre Gesundheit!