Geschichten aus Wanne-Eickel


Alfred Kallinowski
Alfred Kallinowski berichtet:

Kronprinz war Taufpate
der Zeche "Unser Fritz"

Alfred Kalinovski

Weitere Artikel in unserem Archiv >>

 Die Zeche "Unser Fritz"

Der Bergbau im Stadtteil Unser Fritz hat kaum 125 Jahre überdauert. Am 18. September 1871 wurde im Wanner Emscherbruch der erste Kohlenschacht niedergebracht. Ihren Namen bekam die Zeche nach dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm - später Kaiser Friedrich III. Damit fand sich auch die Namensgebung für den Ortsteil Unser Fritz.

Ein stilisierter Malakow-Turm (Schacht Sophie genannt) setzte die Akzente zur ersten Kohlenförderung, die 1875 in Gang kam. 530 Bergleute erreichten eine jährliche Förderleistung von 93.000 Tonnen. Gleich zu Beginn gab es ein Missgeschick, als am 25. Juli 1875 bei einer Schlagwetterexplosion sieben Kumpel ums Leben kamen. An eine Mechanisierung im Flözabbau war zunächst nicht zu denken.

Grubenpferde erleichterten sei 1876 die schwere Handarbeit und zogen die Kohlenwagen durch die Strecke zum Schacht. Im unterirdischen Pferdestall kümmerten sich eigens dafür abgestellte Kumpel um die Pflege der treuen Vierbeiner. Der Schichtlohn für einen jugendlichen Pferdetreiber lag bei einer Mark, Kohlenhauer verdienten bei zehnstündiger Akkordarbeit etwa das Dreifache. Um diese Zeit (1875/76) erhielt der Pütt auch einen Bahnanschluss nach Bismarck und zum Wanner Bahnhof.

Ein zweiter Schacht ging 1885 an der Dorstener Straße (heute Künstlerwerkstatt) in Betrieb. Beide Schächte wurden mittels einer oberirdischen Kettenbahn verbunden. Nachträglich kamen noch drei Schächte hinzu, wobei das Kleingerüst auf dem Cranger Kirmesgelände überwiegend als Wetterschacht diente. Seit 1911 gab es eine Kokerei, die über zwei Ofen-Batterien jährlich an die 160.000 Tonnen Koks drückte.

In der Teerverwertung wurden ab 1912 auch chemische Produkte hergestellt. Mit einer eigenen Ringofenziegelei kam auch der Wohnungsbau in Schwung. Bergschef Friedrich Grillo bewilligte bereits 1874 eine halbe Million Mark und ließ in Haverkamp die ersten Koloniehäuser errichten. Um 1908 entstanden die große Wohnsiedlung im Dannekamp und die Beamtenhäuser längs der Unser-Fritz-Straße.

Mitten durch das Zechengebiet floss früher die Emscher, die 1912 durch den Bau des Rhein-Herne-Kanals um einige hundert Meter verlegt wurde. Mit dem neuen Kanal erhielt Unser Fritz 1914 einen eigenen Kohle-Hafen, der heute nur noch als Feuchtbiotop erkennbar ist.

Hart betroffen von einer Kohlenflaute war der Pütt in den zwanziger Jahren. Zwischen 1928 und 1938 ruhte die Förderung. Danach belebte sich das Kohle-Geschäft im Verbund mit der Nachbarzeche Consolidation. Die jährliche Fördermenge betrug 700.000 Tonnen und steigerte sich bis 1950 auf 940.000. Ab 1955 wurden die ersten Gastarbeiter angeheuert, die dann bis 1970 bei einer Gesamtbelegschaft von 978 Mann 392 Ausländer ausmachte. Mit der Gründung der Ruhrkohle-AG war Unser Fritz bereits seit 1969 in den Kohleverband integriert. Danach liefen die Seilscheiben bis 1993 nur noch für die Personenförderung.

Diese Grubenansicht von Unser Fritz stammt aus den zwanziger Jahren.

Weitere Geschichten finden Sie in unserem Archiv.

Preiswert für Ihre Gesundheit!